Die Geschichte des Naturkundemuseums Leipzig

1. Das Naturkundliche Heimatmuseum von 1906 bis 1947


2.Januar 1859
Der Leipziger Naturwissenschaftler und Pädagoge EMIL ADOLF ROßMÄßLER fordert die Errichtung eines "Landesmuseums für vaterländische Naturgeschichte und Industrie" in Leipzig.
EMIL ADOLF ROßMÄßLER wurde 1806 als Sohn eines Kupferstechers in Leipzig geboren. Nach intensiver wissenschaftlicher und politischer Tätigkeit kehrte er 1850 als Pensionär nach Leipzig zurück. Als "naturwissenschaftlicher Wanderprediger" und naturkundlicher Volksschriftsteller erlangt er große Popularität über Leipzig hinaus. Landesweit folgt man ROßMÄßLERS Aufrufen zur Gründung heimatlicher Bildungsvereine.

Mai 1906
Die "Naturwissenschaftliche Vereinigung" des Leipziger Lehrervereins beschließt dem Aufruf ROßMÄßLERS umzusetzen, nachdem sie kurz zuvor am 3. März seinen 100. Geburtstag feierlich begangen hatte.

Juni 1907
Eine vom Leipziger Lehrerverein initiierte Ausstellung "Heimische Vogelwelt" im Städtischen Kaufhaus erbringt innerhalb von vier Tagen 7.000 Besucher. Dieser Erfolg bekräftigt den gefassten Entschluss zur Errichtung eines "Naturkundlichen Heimatmuseums".

5. Juni 1912
Das "Naturkundliche Heimatmuseum" eröffnet seine erste Dauerausstellung im Gebäude der "Dauernden Gewerbeausstellung" am Tröndlinring 1. Auf einer Fläche von zunächst 93m² widmet sie sich dem Themenschwerpunkt "Leipziger Tieflandsbucht".

1916
Das Naturkundliche Heimatmuseum wird zu einer öffentlichen Pilzberatungs- und Pilzbestimmungsstelle erklärt.

4.-6. Juni 1923
Nach Zeiten zunehmender Platzprobleme erfolgt der Umzug des Museums in Räumlichkeiten der 1838 erbauten II. Höheren Bürgerschule am Schulplatz (Eingang Lortzingstr. 3). Damit haben jahrelange Verhandlungen mit der Stadt nach einem geräumigeren Standort endlich einen erfolgreichen Abschluss. Die Bank für Handel und Industrie, die in der Dauernden Gewerbeausstellung an der Freistellung der Räume interessiert ist, übernimmt die Kosten für den Umzug und die Neueinrichtung - in der Zeit der Inflation 9 Millionen Reichsmark.

17. Februar 1924
Gut acht Monate nach dem Umzug kann das Naturkundliche Heimatmuseum am Schulplatz seine Ausstellung wieder eröffnen. Die Dauerausstellung umfasst sieben Räume im II. Obergeschoss des Schulgebäudes, in denen die geologische, botanische und zoologische Abteilung untergebracht sind. Der Rest des Gebäudes bleibt weiter Schule.

1. November 1930
Das Naturkundliche Heimatmuseum geht mit all seinen Sammlungen, Mobiliar und Inventar in die Trägerschaft der Stadt Leipzig über.
"Oberbürgermeister Dr. Goerdeler dankte dem Leipziger Lehrerverein, dem die Schöpfung eines solchen Museums als eine verdienstvolle Leistung zuzusprechen sei. Sie verpflichtet nicht nur zu Dank, sondern zu dem Streben, das Werk weiter zu fördern", so die Leipziger Abendpost am 3.11.1930.

6. April 1942
Nach einer Erweiterung der musealen Nutzung des Schulgebäudes machten sich umfassende bauliche Maßnahmen notwendig, die zur Schließung des Museums im Jahre 1937 führten. Dank dem Einsatz des Direktors Dr. RUDOLF GLÄSEL werden ab 1939 die Mittel für die Instandsetzung des Hauses bewilligt. Im März 1939 begann die Behebung von Nässeschäden, welche Fräsarbeiten in den Grundmauern erforderte.
Während der Umbauarbeiten erhält der Leipziger Wandbild- und Glasfenstergestalter EMIL BLOCK den Auftrag zur Schaffung von zwei Gemälden für das Treppenhaus, eins über den Leipziger Auwald und eins über eine Mammutherde in eiszeitlicher Landschaft. Die beiden Bilder wurden 1941 installiert.
Am 6. April 1942 erfolgte die feierliche Neueröffnung des Naturkundlichen Heimatmuseums, welches nun das gesamte Gebäude füllte.

3./4. Dezember 1943
"Gott sei Dank. Unser Haus steht ... und gegenüber das Flammenmeer" führt der Direktor im Museumstagebuch über die Folgen des Luftangriffes auf Leipzig aus.
"Ich gehe durch die Zimmer. Überall fürchterlichste Verwüstung: Alle auf der Schulplatzseite gelegenen Fenster zerstört; die Türen aus den Angeln gerissen ... auch zum Dachboden, wo es gebrannt hat und nun ein großes Loch im Dach klafft."
Auf Grund der Kriegssituation waren die Schauräume bereits früher im Jahresverlauf geschlossen worden. Nach dem Bombardement wurden Bestände ausgelagert. Nach Kriegsende beginnt bereits im Mai 1945 die Rückführung der ausgelagerten Bestände. Dennoch werden weite Teile des Hauses fremdgenutzt, z.B. als Quartier der amerikanischen Besatzungsbehörde.

23. Februar 1947
Anfang Oktober 1945 ordnete die sowjetische Militär-Regierung an, dass die Museen ab 1. November wieder öffnen sollten. Die eigentlichen Arbeiten der Instandsetzung des Naturkundlichen Heimatmuseums beginnen erst im Juni 1946. Vorübergehend finden hier auch Ausstellungen des Bildermuseums und des Kunstgewerbe-Museums statt.
Am 23. Februar 1947 eröffnet das Naturkundliche Heimatmuseum als erstes Museum in Leipzig wieder seine Dauerausstellung.

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